Facebook Live: Wie Unternehmen das Video-Feature für sich nutzen können

20.01.2017 Christian Flach

Facebook Live erfreut sich gerade großer Beliebtheit. Dafür sorgt auch Facebook selbst, indem es neben Personen des öffentlichen Lebens („VIPs“) auch Medienunternehmen wie Bild, Welt oder BuzzFeed dafür bezahlt, die neue Funktion einzusetzen – natürlich mit dem Ziel, Live-Videos auch für andere Firmen attraktiver zu machen. Doch für welche Unternehmen sind die Live-Videos überhaupt interessant und was gibt es dabei zu beachten?

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Das sollten Seiteninhaber über Live-Videos wissen

Natürlich möchte Facebook, dass das neue Feature sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen eingesetzt wird. Deshalb „belohnt“ die Plattform die Verwendung von Live-Videos mit höheren Reichweiten: Der Facebook-Algorithmus listet Live-Streams besonders hoch im Newsfeed. Die Chance, dass Live-Videos in der Timeline des Nutzers auftauchen, ist somit höher als bei anderen Beitragsarten. Laut Facebook verbringen User mit Live-Videos dreimal mehr Zeit als mit aufgezeichnetem Videomaterial. Und die Möglichkeit des Seitenbetreibers, direkt auf Fragen zu antworten, sorgt angeblich für zehnmal mehr Kommentare als bei herkömmlichen Videobeiträgen. Zusätzlich bekommen Fans und Freunde eine Benachrichtigung, wenn jemand gerade live ist oder es vor Kurzem war.

Übrigens: Im Gegensatz zu „Stories“ von Instagram und Snapchat verschwinden Live-Videos nach einer gewissen Zeit nicht, sondern werden der Videosammlung hinzugefügt. Wenn das Video hinterher nicht gelöscht wird, kann es zu einem späteren Zeitpunkt weiterverwendet oder über andere Social-Media-Kanäle geteilt werden.

Für welche Unternehmen sind Live-Videos interessant?

Die Möglichkeiten, Live-Videos einzusetzen, sind vielseitig: In erster Linie sind sie authentisch, schaffen dadurch mehr Nähe zum Unternehmen oder zur Marke und sind deshalb eine gute Gelegenheit, mit der Community in direkten Kontakt zu treten. Beliebt sind beispielsweise Fragerunden, bei denen Nutzer zum Kommentieren aufgefordert werden und der Seitenbetreiber im Live-Video darauf reagiert.

So setzt der Sportverein FC Basel Live-Videos sowohl für Interviews mit Spielern als auch für die Übertragung von Ausschnitten einer Trainingseinheit ein. Auf diese Weise werden „gewöhnliche“ Inhalte zu etwas Besonderem, da Fans neue Einblicke in Bereiche bekommen, die sie noch nicht kannten.

Im Event-Bereich können Veranstalter diejenigen Nutzer am Geschehen teilhaben lassen, die keine Eintrittskarte mehr bekommen haben oder die vom Event zu weit entfernt sind. Auf diese Weise kann der Veranstalter darüber hinaus gleichzeitig für sich werben. Gleiches gilt für Konferenzen, in denen z. B. die Keynote oder die Eröffnungsrede live übertragen werden. Durch einen Video-Stream in Echtzeit fühlen sich Nutzer wesentlich näher am Geschehen als bei einem bearbeiteten Video, das im Nachhinein veröffentlicht wird.

Seit Kurzem können Nachrichtenseiten Reporter oder andere Personen zu sogenannten „Live Contributors“ ernennen, wodurch diese Nutzer auf der Seite Live-Videos veröffentlichen können. Dadurch ist eine unmittelbare Berichterstattung direkt vom Ort des Geschehens möglich.

Darüber hinaus eignet sich Facebook Live für „Hinter-den-Kulissen“-Videos oder, um neue Produkte vorzustellen. Unternehmen sollten hierbei jedoch im Hinterkopf behalten, dass es für Nutzer stets einen interessanten Anlass geben sollte, damit sie einschalten: Ein Live-Video zu streamen, in dem es keine relevante Handlung gibt, hat für Fans wenig Unterhaltungswert und dürfte dazu führen, dass Nutzer schnell wieder abspringen.

Technische Voraussetzungen und Planbarkeit

Unbedingt vermeiden sollten Seitenbetreiber bei ihren Live-Videos verwackelte Handy-Aufnahmen und eine schlechte Tonqualität. Mittlerweile kann man auch von seinem Laptop oder Desktop-PC Live-Videos senden, das ging vorher nur per Smartphone. In Verbindung mit professionellem Ton- und Kameraequipment kann auf diese Weise eine hohe Qualität bei Live-Videos gewährleistet werden. Voraussetzung ist eine stabile und leistungsstarke Internetverbindung.

Zudem lassen sich Live-Videos auch eine Woche im Voraus als Termin einplanen, wodurch die Übertragung selbst zum Ereignis wird und mit einem Ankündigungs-Post beworben werden kann. Interessierte Nutzer können sich diese Vorankündigung merken und bekommen wie bei einer Facebook-Veranstaltung eine Benachrichtigung, wenn es so weit ist.

Dadurch lässt sich schon im Vorfeld ein Publikum aufbauen, denn oft stehen Seitenbetreiber vor dem Problem, dass sich die Zuschauerzahl erst im Laufe der Übertragung aufbaut, weil erst nach und nach mehr Nutzer davon erfahren. Facebook empfiehlt für Live-Videos deshalb eine Mindestlänge von zehn Minuten. Theoretisch sind bis zu 90 Minuten am Stück möglich. Hier gibt es eine ausführliche Anleitung zum Einplanen von Live-Videos.

Risiken und Monetarisierung

Ein attraktives Feature mit hoher Reichweite und starken Interaktionsraten ermöglicht natürlich nicht nur die Verbreitung seriöser Inhalte. Facebook Live wurde bereits mehrfach zweckentfremdet, z. B. durch Fake-Live-Abstimmungen mit Emojis (die mittlerweile verboten sind) oder vermeintliche Live-Bilder, wie bei einer Übertragung vom Mars, bei denen es sich um einen Loop aus alten Aufnahmen handelte. Facebook arbeitet bereits an Maßnahmen, die dieses Vorgehen unterbinden sollen.

Noch sind Live-Videos weitgehend werbefrei, doch es gibt bereits Spekulationen, dass sich das ändern könnte, um sie auch für Werbetreibende interessant zu machen. Das Netzwerk testet derzeit 15-sekündige Anzeigen (mit ausgewählten Anbietern), die nach etwa fünf Minuten Laufzeit erscheinen.

Wie geht’s weiter?

Seit Kurzem gibt es 360° Live-Videos: Diese heben die Qualität der Videos auf ein neues Level und sehen bereits vielversprechend aus. Dennoch wird es auch zukünftig auf spannende Inhalte ankommen, mit denen Seitenbetreiber ihre Fans begeistern.

Quellen:
Social Media Zentrale
Marketing im Norden
Hutter Consult
Facebook Media
Allfacebook
Onlinemarketingrockstars