Generate Conference 2017: Gutes Webdesign steht und fällt mit dem Team

18.10.2017 Lukas Röttgers

Die Wünsche des Kunden – um diese bestmöglich zu erfüllen, arbeiten verschiedene Abteilungen interdisziplinär zusammen. Damit das reibungslos funktioniert und die verschiedenen Zahnräder perfekt ineinandergreifen, ist eines ganz entscheidend: Kommunikation. Und nicht nur für den Projekterfolg, auch für den Wissensaustausch und die persönliche Weiterentwicklung ist Kommunikation der Schlüssel. Und so stand dieses Thema an erster Stelle des Einführungs-Workshops, der die Generate Conference 2017 in London einläutete. Zu dem Event kommen jedes Jahr Web- und UX-Designer sowie Frontend-Entwickler wie ich zusammen, um sich gegenseitig zu inspirieren und voneinander zu lernen. Angekündigt hatte sich für dieses Jahr hoher Besuch von Netflix, Airbnb, Microsoft sowie von zahlreichen Start-ups. Aber der Reihe nach.

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Angekommen war ich schon mal, als es am 20. September in der Royal Institution losging, aber an diesen Linksverkehr konnte ich mich bis zur Abreise nicht gewöhnen. Der erste Veranstaltungstag wurde komplett mit dem Workshop „Building scalable responsive Components“ von Zell Liew gefüllt. Wie schon gesagt, stand das Thema Kommunikation im Vordergrund – ein Ansatz, der mir zusagte, und so stürzte ich mich ins Getümmel: Für die ersten zehn Minuten wechselte man regelmäßig den Gesprächspartner, um sich näher kennenzulernen. In dem Workshop konnte ich ein paar Kniffe von Zell lernen und mich mit anderen Entwicklern angeregt über die Benamung von CSS-Klassen vor dem Hintergrund von BEM und SMACSS unterhalten. Ein Thema, bei dem man erst mal den Wein im Glas atmen lassen sollte und das Monokel richten kann, denn erst in den darauffolgenden zwei Tagen folgte die eigentliche Konferenz.

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Der eigentliche Startschuss wurde am zweiten der drei Konferenztage abgegeben. Der Eröffnungsvortrag ließ gleich erahnen, wie vielfältig und eindrucksvoll das diesjährige Programm sein würde: Im gesamten Raum hingen Laser-Warnungen. Nicht ohne Grund, denn Speaker Seb Lee-Delisle ist ausgebildeter Laserist. Er hat die Videospiele Duck Hunt sowie Asteroids mit einem Laser nachgestellt und präsentierte uns seine beeindruckenden Laser-Kreationen. Man bekam ein gutes Gespür dafür, wie viel Aufwand hinter den Berechnungen stecken muss, um einen Laser dazu zu bekommen, dass er Asteroids so gekonnt nachzeichnet.

Direkt danach stiegen wir ins Thema Web Performance ein. Dazu hielt Patrick Hamann den Vortrag „The first meaningful Paint“, der sich damit beschäftigte, wie man ein erstes, sinnvolles Bild einer Website zeichnet. Patrick arbeitet als Web Performance Engineer für einen großen Cloud-Anbieter, der über 40 Serverstandorte und Kunden wie die New York Times oder KAYAK betreut. Seine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Websites seiner Kunden mit der schnellstmöglichen Ladezeit weltweit punkten können. Hier ging es dann in die Tiefe, wie man HTTP-Anfragen verschlanken und somit Wartezeiten der Server verkürzen kann. Außerdem sprach er über neue Möglichkeiten mit HTTP/2. Insgesamt sehr viel Input zu einem der wichtigsten Themen für den Nutzer.

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Am Nachmittag forderte Espen Brunborg in seinem Vortrag „The secret Life of Comedy“, Webdesign mit mehr Witz zu beleben und weniger dem strikten Konformismus zu folgen. Eine Forderung, die mehrmals laut wurde, während meines Aufenthalts in London. Den Schlussakzent des ersten Konferenztages setzten Anton und Irene aus New York, die zum vierten Mal bei der Generate Conference waren. Als ehemalige Agenturmitarbeiter haben sie über Work-Life-Balance gesprochen und wie sie heute ihr Leben als Freelancer gestalten. Sie stellen zwei Projekte aus ihrer Freizeit vor und wie sich diese zu bezahlten Projekten entwickelt haben. Ein guter Abschluss – und dann ging es gemeinsam in die Bar.

Am zweiten Tag besuchte ich Vorträge zu verschiedenen Themen: von Accessibility und Interfaces, die diesen Anforderungen entsprechen, bis hin zur Gestaltung von Teamwork und Animationsdesign war alles dabei. Die wirklichen Highlights waren jedoch zwei Vorträge zum Thema UX-Design. Den Anfang machte Julia Khusainova von Airbnb: Anhand einer Case Study zeigte sie eindrucksvoll, wie auf Basis eines bestehenden Produkts ein neues Geschäftsmodell entwickelt werden kann und welche Schritte sie in diesem Fall von der Ideation über Testing, Validation bis hin zur Entwicklung und darüber hinaus vorgenommen haben.

Das zweite Highlight kam von David Aragon. Er kümmert sich bei Netflix ausschließlich um die Entwicklung von Prototyen. Das gesamte Team für Web- & TV-Prototyping umfasst 50 Mitarbeiter. In seinem direkten Team arbeitet er mit acht Kollegen zusammen. Im Anschluss zum Arbeitsprozess bei Netflix erklärte er verschiedene Arten des User Researchs. Diese reichen von der Befragung von Arbeitskollegen bis zum In-Home-Testing. Bei Letzterem fährt ein kleineres Team von Netflix zu Endkunden nach Hause und analysiert deren Verhaltensweisen – einer der spannendsten Einblicke in die Arbeitsweise der Tech-Industrie-Riesen. Vor seiner Zeit als Prototyper bei Netflix war David übrigens Frontend-Entwickler. Das zeigt, wie fließend der Übergang zwischen Webdesign und Entwicklung ist.

Ich bin mit vielen Eindrücken zurückgekehrt und der Erkenntnis: Die Generate Conference ist keine Veranstaltung, bei der ausschließlich technische Themen weggefrühstückt werden. Der Teilnehmer konnte dank der guten Struktur und Planung des Veranstalters die Konferenz zu hundert Prozent genießen. Zudem hat es mir noch einmal mehr gezeigt, dass ein erfolgreiches Projekt immer mit dem Team anfängt. Die Generate Conference geht im April 2018 in New York weiter – ein Event, den ich wirklich nur empfehlen kann.